*
slider_kmu_frauen
blockHeaderEditIcon
DEFAULT : 13. KMU-Frauentag / Mittwoch, 20.6.2012 in Tägerwilen
07.10.2015 14:34 (1175 x gelesen)

Referat und Diskussionsrunde über Komplementärmedizin

Unter dem Leitthema „Komplementärmedizin in Politik und Praxis“ trafen sich rund 30 Mitglieder des Verbandes KMU Frauen Thurgau am 20. Juni 2012 in den Räumlichkeiten des Naturheilmittelherstellers REGENA AG in Tägerwilen. Mit spannenden Vorträgen wurde ein kurzer Einblick in das Umfeld eines aus politischer, unternehmerischer und gesellschaftlicher Sicht interessanten Bereiches des Gesundheitswesens gegeben.

Nach der Eröffnung der Sitzung durch die Präsidentin der KMU-Frauen Thurgau, Carola Eigenmann, 


berichtete Frau Stahlkopf, Eigentümerin der REGENA Gruppe, von den Anfängen der Unternehmensgeschichte im Jahr 1963 in Mogelsberg/SG und den besonderen Krankheitsumständen, die den Firmengründer Günter C. Stahlkopf zur Entwicklung der eigenständigen REGENA-Therapie führte. Der von ihm entwickelte Therapieleitsatz „Krankheit ist ein Heilbestreben des Körpers“ war und ist eine prägnante Feststellung, die das Unternehmen bis heute begleitet. Mit der Vielzahl an homöopathischen Arzneimitteln, die auf das individuelle Krankheitsbild abgestimmt sind, hat sich die Therapie einen besonderen Ruf in der biologischen Medizin verdient. Mit dem erst kürzlich vollendeten Neubau der Firma in Tägerwilen, bei dem die Verwaltung und besonders die Produktion auf das Niveau eines hochmodernen pharmazeutischen Herstellers gebracht werden konnte, ist man für zukünftige Herausforderungen bestens gewappnet.

Dass diese schon heute ausreichend vorhanden sind, erklärte im Anschluss die Tochter Frau Mandefield, die die Geschicke des Familienunternehmens nun in dritter Generation verantwortet. Nach einer persönlichen Vorstellung erklärte Sie, dass die Hürden für einen KMU Betrieb der Naturheilmittelbranche, von einer zunehmend unklaren Rohstoffsituation über international, sehr verschiedene Zulassungsvorschriften bis hin zu erschwerten Bedingungen im Bereich der Übernahme von Behandlungskosten durch die Sozialversicherungssysteme reichen. Dennoch werde alles für den Unternehmenserfolg getan, damit Naturheilmittelhersteller auch langfristig Teil des Gesundheitsmarktes bleiben.

Dass es insgesamt politischer Unterstützung bedarf, verdeutlichte der Impulsvortrag von der Nationalrätin Frau Edith Graf-Litscher, die selber Co-Präsidentin im Dachverband für Komplementärmedizin ist und sich auch auf parlamentarische Ebene für Naturheilmittel einsetzt. Sie stellte unmissverständlich fest, dass der im Jahre 2009 durch das Schweizer Stimmvolk geäußerte Entscheid, die Komplementärmedizin in der Verfassung zu verankern, in der Umsetzung diverse Schwierigkeiten erfährt. Beispielhaft erwähnte Sie die Tatsache, dass es an den Universitäten nach wie vor keinen Lehrstuhl für Komplementärmedizin gibt. Man möge sich fragen woran das liegt, werden doch alleine für die Schulmedizin über 1000 Professuren zur Verfügung gestellt. Dem stehen aber auch Erfolge gegenüber. So konnte mit dem Bundesamt für Berufsbildung die Vorbereitungen für ein national geltendes Diplom im Bereich der Komplementärmedizin auf den Weg gebracht werden.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die durch eine gezielte Moderation von Frau Regula Marti sehr lebendig geführt wurde, erklärte der teilnehmende Thurgauer Kantonsarzt Dr. med. Mathias Wenger sein grundsätzliches Befürworten für komplementärmedizinische Methoden, teilte aber auch mit, dass einige Aspekte unter dem Finanzierungsvorbehalt stehen. An dieser Stelle wand Frau Graf-Litscher ein, dass die Ausgaben etwa für Akkupunktur oder eine homöopathische Verordnung aufgrund der ganzheitlichen Herangehensweise bei der Behandlung langfristig zur Entlastung der Sozialsysteme beitrage. Gemeinsam mit Frau Stahlkopf waren sich die Diskutanten einig, dass eine stärkere Vernetzung zwischen Schul- und Komplementärmedizin keine bloße Erscheinung des Zeitgeistes ist, sondern zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Auch anhand verschiedener Fragen aus der Runde wurde deutlich, dass der im Jahr 2009 geäußerte Wunsch der Bevölkerung, die Anerkennung der Komplementärmedizin auch politisch umzusetzen, weiter besteht und im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vorangebracht werden muss.

Der Vortrags- und Diskussionsteil wurde mit dem Nachtessen im Jucker’s Gasthaus Linde abgerundet. Mit vorzüglichen Speisen fand das Treffen seinen gebührenden Ausklang.


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail